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Regierungsrat Dr. Armin Hartmann zum Thema "Zwischen Anspruch und Realität: Herausforderungen im heutigen Bildungswesen"

Die Bildungslandschaft befindet sich mitten in tiefgreifenden gesellschaftlichen, technologischen und strukturellen Transformationsprozessen, die kontinuierliche Weiterentwicklung erfordern, auch um die Qualität und die Chancengerechtigkeit für bildungsferne und sozial schwache Schichten langfristig zu sichern.

Am Freitag, 28. November 2025 durfte unser Präsident, Stephan Grau, 44 Teilnehmende, darunter drei Gäste, zum IFU-Lunch mit dem Referat von Regierungsrat Dr. Armin Hartmann im Grand Casino Luzern begrüssen. Unter dem Titel «Zwischen Anspruch und Realität: Herausforderungen im heutigen Bildungswesen» beleuchtete der Bildungs- und Kulturdirektor des Kantons Luzern die aktuellen Entwicklungen und strategischen Schwerpunkte des Luzerner Bildungssystems.

Sein Referat machte deutlich: Die Bildungslandschaft befindet sich mitten in tiefgreifenden gesellschaftlichen, technologischen und strukturellen Transformationsprozessen, die kontinuierliche Weiterentwicklung erfordern, auch um die Qualität und die Chancengerechtigkeit für bildungsferne und sozial schwache Schichten langfristig zu sichern.

Von antiken Zitaten wie der «schwierigen Jugend» zu heutigen Debatten
Zum Einstieg spannte Regierungsrat Dr. Armin Hartmann einen historischen Bogen: Von antiken Zitaten über die «schwierige Jugend» bis zu heutigen Debatten zeigte er auf, dass Kritik an der Schule und den jungen Generationen ein wiederkehrendes Muster ist und dass das Bildungssystem seit jeher auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren musste.

Einflussfaktoren auf das heutige Bildungssystem
Im Zentrum seiner Ausführungen standen die massgeblichen Einflussfaktoren auf das heutige Bildungssystem: Globalisierung, digitale Transformation, gesellschaftlicher Wandel und Urbanisierung. Diese Entwicklungen verändern Lerninhalte, Erwartungen und Rahmenbedingungen und stellen erhöhte Anforderungen an Kompetenzen, Technologien sowie an die Rollen von Lehrpersonen, Eltern und Bildungsinstitutionen.

Wie viele andere Kantone kämpft auch der Kanton Luzern mit einem anhaltenden Lehrpersonenmangel, einem starken Wachstum im Sonderschulbereich, zunehmenden Verhaltens- und sozio-emotionalen Herausforderungen sowie anspruchsvollen Übergängen wie etwa beim Schuleintritt oder beim Übertritt in die Sekundarstufe. Themen wie Inklusion, Chancengerechtigkeit für bildungsferne und sozial benachteiligte Schichten sowie die Begabungs- und Begabtenförderung gehören ebenfalls zu den zentralen Herausforderungen.

Hinzu kommen weitere Entwicklungen, die das System zusätzlich fordern: Die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen ist stärker belastet als früher und verlangt neue Unterstützungsformen. Lehrbetriebe sehen sich mit heterogenen Lernbiografien, neuen Erwartungen und komplexeren Ausbildungsrealitäten konfrontiert. Bildungswege verlaufen zunehmend nichtlinear, was flexible Anschlusslösungen erfordert. Auch die zunehmende Internationalisierung wirkt sich spürbar auf die Bildungslandschaft aus, sei es durch sprachliche Vielfalt, kulturelle Unterschiede oder global veränderte Anforderungen an Bildung und Arbeitsmarkt.

Strategien des Kantons Luzern zur Bewältigung der aktuellen Herausforderungen auf der Volksschulstufe
Eine priorisierte Massnahme ist die Attraktivierung des Lehrberufs: Entlastungen für Berufseinsteigende, neue Fachkarrieremodelle, Lohnanpassungen für erfahrene Lehrpersonen, Unterstützung für Studierende in der Schulischen Heilpädagogik, eine Imagekampagne sowie begleitende Massnahmen der Pädagogischen Hochschule sollen den Beruf stärken.

Ebenfalls im Fokus stehen Verbesserungen im Umgang mit Verhaltens- und sozio-emotionalen Entwicklungsfragen (Integration vor Separation, Schulinseln als kurze Auszeiten etc.), Optimierungen in der Sonderschulung, die Überprüfung des Beurteilungssystems sowie die Flexibilisierung des 9. Schuljahres. Letzteres soll insbesondere jenen Schülerinnen und Schülern zugutekommen, die bereits einen Lehrvertrag haben, damit sie motiviert bleiben und gezielt auf die kommende Lehre vorbereitet werden. Weiter plant der Kanton eine Stärkung der Schulleitungen, eine vertiefte Zusammenarbeit mit den Eltern sowie eine strategisch gesteuerte Digitalisierung und Nutzung von KI als Chance für alle Volksschulstufen.

Schwerpunkte in der Berufs-, Gymnasial- und Hochschulbildung
In der Berufs-, Gymnasial- und Hochschulbildung setzt der Kanton Luzern auf moderne und durchlässige Bildungswege, die lebenslanges Lernen fördern und den Erwerb von Grund- und Zukunftskompetenzen stärken. Eine zentrale Rolle spielt dabei die verstärkte Vernetzung mit der Wirtschaft, der Forschung und internationalen Partnern. Ebenso wichtig sind die Sicherstellung des Fachkräftebedarfs, die gezielte Talentförderung sowie eine qualitativ hochwertige Selektion an den bildungsrelevanten Schnittstellen bis hin zu einem prüfungsfreien Hochschulzugang.

Zu den strategischen Zielen gehört zudem die engere Abstimmung zwischen Tertiär A und Tertiär B, um Übergänge zu vereinfachen und Synergien im Bildungssystem optimal zu nutzen. Parallel dazu bleibt die nachhaltige Finanzierung der Hochschulen ein zentrales Anliegen, um die hohe Qualität in Lehre, Forschung und Dienstleistungen zu bewahren und auch langfristig zu gewährleisten.

Fördern, fordern und Chancen sichern
Im abschliessenden Teil seines Referats betonte Regierungsrat Dr. Armin Hartmann, dass die öffentliche Debatte über die Schule seit je her von Skandalisierung geprägt sei, obwohl eine kritische Analyse zwar notwendig, aber nur dann zielführend sei, wenn sie konstruktiv geführt werde. Das Bildungssystem reagiere bedarfsgerecht auf gesellschaftliche Entwicklungen, dennoch bestehe in verschiedenen Bereichen Optimierungsbedarf. Besonders die 25 Prozent der schwächsten Lernenden geraten zunehmend unter Druck und verlieren den Anschluss, auch sozial benachteiligte und bildungsferne Gruppen erfahren weiterhin strukturelle Nachteile. Die Förderung leistungsstarker Schülerinnen und Schüler müsse gleichermassen berücksichtigt werden – ohne eine Nivellierung nach unten.

Regierungsrat Dr. Armin Hartmann unterstrich zudem die Bedeutung einer ganzheitlichen Perspektive auf Bildungskarrieren. Der Kanton verfolgt das Ziel, dass 98 Prozent der Luzerner Jugendlichen bis zum Alter von 25 Jahren einen Abschluss der Sekundarstufe II erreicht haben sollen. Eine starke Berufsbildung, klar definierte Schnittstellen, die Förderung zentraler Grundkompetenzen sowie eine hohe Durchlässigkeit und gute Vernetzung innerhalb des Systems sind dafür entscheidende Faktoren. Auch die Wirtschaft sei ein unverzichtbarer Partner, wenn es darum geht, erfolgreiche Bildungsverläufe zu ermöglichen.

Der Bildungs- und Kulturdirektor schloss mit einem positiven, aber klaren Appell: Das Luzerner Bildungssystem sei gut unterwegs dank des grossen Engagements aller Beteiligten. Um diesen Weg weiterzugehen, brauche es jedoch kontinuierliche Weiterentwicklung, Offenheit für Wandel und die enge Zusammenarbeit zwischen Politik, Schulen, Eltern, Wirtschaft und der Gesellschaft.

Im Anschluss an das spannende Referat und eine engagierte Fragerunde genossen die Teilnehmenden den gemeinsamen Lunch im Restaurant Olivo.

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